Es war mir eine große Freude und Ehre, von Frau Dr. Susanne Hartmann, ehemals Pressesprecherin und Leiterin Kommunikation und Veranstaltungen der Industrie- und Handelskammer zu Köln und heute freie Journalistin, für die Titelstrecke Fachkräfte für die Niederrhein Wirtschaft interviewt zu werden. Das Gespräch fand in sehr lockerer Atmosphäre in einem Café in Duisburg statt – und entwickelte sich nach einem kurzen Warm-up direkt zu einem inspirierenden Austausch über Werte, Haltung und Vielfalt im Berufsleben.

Frau Dr. Hartmann beschreibt den Auftakt zu ihrer Strecke so: „Die Titelstrecke Fachkräfte für die Niederrhein Wirtschaft hat mir als Autorin sehr viel Spaß gemacht. Ich habe tolle engagierte Menschen kennengelernt – nicht zuletzt auch das sehr inspirierende Gespräch mit Oliver Kirch. Werte und Haltung sind im beruflichen Umgang miteinander das A und O. Kann man heutzutage gar nicht genug betonen.“
Mich hat es besonders geehrt, für L&W CONSOLIDATION GmbH über das zu sprechen, wofür ich mich einsetze – und wofür wir als Unternehmen stehen.
Interview
Frau Dr. Hartmann: Herr Kirch, warum liegt Ihnen das Thema Vielfalt am Herzen?
Oliver Kirch: Mir liegen die Menschen am Herzen. Und Menschen sind nun einmal verschieden! Es geht darum, die Perspektiven von anderen als Bereicherung zu erfahren und auch ihre Grenzen anzuerkennen. Und das 365 Tage im Jahr – und nicht nur an bestimmten Tagen, an denen alle ihre Regenbogenfahnen heraushängen.
Meine Biografie ist von Offenheit und innerer Stärke geprägt. Schon als Jugendlicher habe ich mich als queere Person in einem konservativen Unternehmerhaushalt geoutet – und zum Glück früh echte Wertschätzung erfahren. Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt. Eine ganz andere Herausforderung kam vor mehr als zwei Jahrzehnten hinzu: eine schwere Erkrankung, die mein Leben auf eine neue Weise beeinflusst hat. Auch hier habe ich die Kraft des offenen Umgangs gespürt – und erfahren, wie stark Vertrauen und Rückhalt im beruflichen Umfeld sein können. Beide Erfahrungen haben meine Resilienz gestärkt und meine Haltung als Führungskraft geprägt.
Ich kenne also verschiedene Perspektiven. Egal welche sexuelle Orientierung, welcher Glauben, welche kulturellen Hintergründe, ob alt oder jung, gesund oder krank, mit oder ohne Migrationshintergrund: Die Mischung in einem Unternehmen macht es. Meine Erfahrung ist, dass eine „bunte Tüte“ am besten funktioniert.
Frau Dr. Hartmann: Wie setzen Sie das Thema im eigenen Unternehmen um? Eine Personaldienstleistung hat ja eine besondere Verantwortung gegenüber dem eigenen Personal, das für Kunden arbeitet.
Oliver Kirch: Wir legen auch bei unseren Kunden Wert auf eine vielfältige und wertschätzende Unternehmenskultur. Stimmt diese nicht, lehnen wir Aufträge auch ab. Menschen sind für uns keine Ware. Auch bei der Arbeitnehmerüberlassung achten wir auf Verträge, die in eine Festanstellung münden.
Dazu checken wir immer persönlich die Atmosphäre. Ich lasse dann bewusst auf mich wirken: Wie werden Menschen empfangen? Wie gehen die Angestellten in das Gebäude? Wer ist willkommen? Und die wichtigste Frage: Würde ich selbst dort arbeiten wollen? Wenn die Antwort ein „Nein“ ist, ist auch keine Zusammenarbeit möglich.
Frau Dr. Hartmann: So wie Sie es beschreiben, sind gemeinsame Werte das Grundgerüst der Zusammenarbeit in Ihrem Unternehmen. Wie setzen Sie das konkret um?
Oliver Kirch: Selbstverständlich haben wir die Charta der Vielfalt und die Charta der Vereinbarkeit unterschrieben. Das sind aber keine Papierbekenntnisse, sondern sie werden gemeinsam mit Leben gefüllt. Diversity funktioniert nur mit flachen Hierarchien. Es geht darum, in den Teams verschiedene Blickwinkel bei Entscheidungen einzufordern und einzubeziehen. Ob diese Prozesse klappen, evaluieren wir einmal im Monat.
Dazu gehen wir immer in ein Co-Working-Space oder in ein Café – das alleine hilft schon. Was Sie vielleicht erstaunen wird, aber sehr erfolgreich ist: Wir haben als Verhaltenskodex und für unsere gemeinsame Unternehmenskultur den guten alten Knigge ausgegraben. Es geht um Respekt und die Grundregeln des sozialen Miteinanders.
Ein weiterer Erfolgsfaktor: Wir haben im Betrieb einen freiwilligen Persönlichkeitstest angeregt. Wer möchte, kann das Ergebnis für die Kolleginnen und Kollegen freigeben. So kann ich zum Beispiel einschätzen, ob ich es mit einer introvertierten Person zu tun habe, die vielleicht später wertvolle Beiträge liefert, obwohl sie in der Diskussion zunächst ruhig war. Das kostet alles Zeit, die aber durch eine wirklich positive Unternehmenskultur aufgewogen wird. Darauf sind wir stolz. Außerdem haben wir die Weiterbildungswünsche unserer Mitarbeitenden in einer eigenen Akademie umgesetzt. So haben wir in diesem Jahr einhundert Prozent Mitarbeiterzufriedenheit erreicht.
Frau Dr. Hartmann: Wie spüren Bewerberinnen und Bewerber den besonderen Spirit?
Oliver Kirch: Viele haben bereits einen positiven Eindruck, weil sie unsere Social-Media-Posts kennen. Oder sie haben uns als Speaker auf Job- und Karrieremessen erlebt. Wir sind bei den Bewerbungsprozessen immer auch ein wenig Lebensberater. Wenn es bei der einen Position nicht klappt, kann das vielleicht ein Anstoß sein, in eine andere Richtung zu überlegen. Ganz wichtig: Bei uns geht nach einer Bewerbung niemand ohne ein persönliches Telefonat aus dem Verfahren.
Denn auch das hat mir meine jahrzehntelange Erfahrung als Führungskraft gezeigt: Diversity im Unternehmen heißt, die Position des Gegenübers einzunehmen, Vorbehalte ernst zu nehmen und dann auf einer gleichberechtigten Basis zu entscheiden. Und eigentlich selbstverständlich: Offen sein für Fehler, die man selbst macht – und daraus lernen. Denn auch das macht Menschen aus.
Mein persönliches Fazit
Diversity und Vielfalt im Leben und im Unternehmen zu leben, sollte selbstverständlich sein. Gerade in einer Zeit, in der einflussreiche Stimmen aus Politik und Wirtschaft Vielfalt als Stigma darstellen und manche Konzerne ihre pseudo-bunte Fassade aus Angst um ihr Geschäft wieder einreißen, ist es umso wichtiger, Haltung zu zeigen. Vielfalt ist kein Marketing-Tool und kein „nice to have“. Sie ist das Fundament, auf dem wir Zukunft gestalten – menschlich wie wirtschaftlich.
Wer sich jetzt zurückzieht, wirft uns in der Denkweise um Jahrzehnte zurück. Das dürfen wir nicht zulassen. Vielfalt geht uns alle an, sie betrifft uns alle – und sie ist 365 Tage im Jahr.
👉 Deshalb mein Appell: Sei laut. Saut. Sei bunt. Sei DU.
Den gesamten Beitrag von Frau Dr. Susanne Hartmann findest du hier:🔗 LinkedIn-Artikel von Frau Dr. Hartmann